Ich bin inkontinent – muss ich zum Arzt?

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Was passiert beim Arzt?
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Nach wie vor leiden inkontinente Menschen still vor sich hin und schämen sich ihres Problems. Ein Rückzug aus dem gesellschaftlichen und sozialen Leben ist die Folge – aus falscher Scham, denn diesen Menschen kann geholfen werden. Ein Besuch beim Arzt des Vertrauens ist unerlässlich. Meist ist es der Hausarzt, der abklärt, ob Erkrankungen die Ursache der Inkontinenz sind, wie etwa Diabetes, Entzündungen im Harntrakt oder Tumore. Wenn ernsthafte Erkrankungen ausgeschlossen werden können, muss dann abgeklärt werden, um welche Form der Inkontinenz es sich handelt und welche Therapie angebracht ist. Der Hausarzt leitet Sie dann meist zum Gynäkologen oder auch Urologen weiter.

Was erwartet mich beim Arzt, wenn ich inkontinent bin?

In einem ersten Gespräch, der so genannten Anamnese, erkundigt sich der Arzt über die genauen Beschwerden. Sie sollten sich daher auf dieses Gespräch vorbereiten und einige Fakten parat haben, die bei der Diagnosestellung nicht unerheblich sind. Dabei wird nach der Häufigkeit des Toilettenganges gefragt, auch die Trinkmenge ist nicht unwesentlich.
Interessant für die Diagnose ist auch, ob kürzlich eine Operation oder Entbindung stattgefunden hat, welche Medikamente eingenommen werden – da manche auch Inkontinenz und Blasenschwäche begünstigen können. Natürlich muss auch erhoben werden, ob schon bekannte Erkrankungen vorliegen, die ebenfalls mit Inkontinenz in Verbindung gebracht werden können.
Weiters wird Sie der Arzt danach fragen, bei welchen Gelegenheiten der unfreiwillige Harn- oder auch Stuhlabgang stattfindet und wie oft, ob Sie spüren, dass Ihre Blase oder der Darm gefüllt ist oder nicht, und ob Sie das Gefühl haben, Blase und Darm vollständig entleeren zu können.

Welche Untersuchungen werden gemacht?

In erster Linie werden der äußere Genitalbereich und der Enddarm untersucht. Dabei können Fisteln oder – bei Männern – eine vergrößerte Prostata diagnostiziert werden, falls vorhanden. Außerdem wird die Stärke und Elastizität des Schließmuskels überprüft.
Eine Urin- und Stuhlprobe gibt Aufschluss über allfällige entzündliche oder infektiöse Prozesse. Per Ultraschall kann festgestellt werden, ob sich in der Blase Restharn befindet. Darüber hinaus können im Ultraschall Nieren- und Blasensteine diagnostiziert werden. Auch Tumore, angeborene Fehlbildungen oder Operationsverletzungen lassen sich dadurch entdecken.
Unter Umständen kann auch eine Blasen- oder Darmspiegelung notwendig sein, um Veränderungen der Schleimhäute festzustellen.

Zu ergreifende Maßnahmen

Bevor der Arzt eine medikamentöse Behandlung (die oft gravierende Nebenwirkungen hat) oder gar zu einer Operation rät (was nur in den seltensten Fällen wirklich notwendig ist), wird er Ihnen einige der folgenden Maßnahmen verordnen:

  • Viel trinken: Zu geringe Trinkmengen produzieren einen konzentrierteren Harn, der die Schleimhäute reizt. Dies führt zu Entzündungen, die wiederum das Inkontinenzproblem verstärken.
  • Angemessen oft auf die Toilette gehen: Gehen Sie nicht zu oft, aber auch nicht zu selten auf die Toilette. Achten Sie darauf, dass Ihre Blase wirklich gefüllt ist, wenn Sie zur Toilette gehen und gehen Sie nicht nur auf Verdacht beim leisesten Anzeichen aufs stille Örtchen. Die Blase verliert ihre Aufnahmefähigkeit, wenn sie nie ganz gefüllt wird.
  • Ernährung: Vermeiden Sie scharfe Speisen, die die Blase reizen könnten, auch Kaffee stimuliert die Blase. Achten Sie ferner auf ballaststoffreiche Ernährung und eine regelmäßige Verdauung, da Pressen beim Stuhlgang den Beckenboden schwer belastet. Vermeiden Sie auch blähende Speisen. Blasentees und Nahrungsergänzungsmittel mit Kürbis- oder Goldrute-Extrakten sind günstig bei Dranginkontinenz.
  • Entspannungsübungen oder Autogenes Training wirken sich positiv aus, wenn die Inkontinenz durch psychische Ursachen mitverursacht wird.
  • Gewichtsabnahme: Übergewicht ist einer der großen Risikofaktoren bei Inkontinenz. Schon allein die Gewichtsreduktion kann Ihre Inkontinenz erheblich verbessern, wenn sie durch Beckenbodentraining unterstützt wird.
  • Beckenbodentraining: In schwereren Fällen empfiehlt sich die Anleitung durch einen Physiotherapeuten, in leichteren Fällen und zur Erhaltung kann das Beckenbodentraining ganz bequem in den Alltag eingebaut werden.

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