Ab wann bin ich inkontinent?

Ab wann ist man inkontinent?
Ab wann bin ich inkontinent?

Sie wollen es genau wissen? Dann füllen Sie doch einmal für sich den standardisierten ICIQ-SF (= International Consultation on Incontinence Questionnaire – short form) Fragebogen aus (klicken Sie hier!). Und Sie werden staunen, Wie schnell man dabei schon einen Wert von 1-5 erreicht, der als „leichte Inkontinenz“ eingestuft wird.
Eine repräsentative deutschen Studie aus dem Jahr 2005*), an der 2.004 Frauen zwischen 25 und 75 Jahren teilnahmen, zeigt interessante Erkenntnisse: Nur 57% dieser Frauen gaben an, noch nie eines der Inkontinenz-Symptome bemerkt zu haben, d.h. also, dass 43% (!) der Frauen zwischen 25 und 75 Jahren aktuell an Blasenschwäche bzw. Inkontinenz leiden bzw. schon einmal darunter gelitten haben!

Und von jenen Frauen, die aktuell an Harninkontinenz leiden, empfindet etwa ein Viertel einen starken Leidensdruck, d.h. ihr soziales Leben ist davon massiv gestört: Die betroffenen Frauen verlassen nur mehr selten das Haus, um peinliche Unfälle zu vermeiden, sagen Verabredungen aus nichtigen Gründen ab. Die Auswahl der Kleidung ist schwierig, Sportausübung kaum mehr möglich usw. All diese Einschränkungen werden aber aus falscher Scham in Kauf genommen, weil Blasenschwäche noch immer ein Tabu-Thema ist!

Risikofaktoren für Frauen

Die angesprochene WHC-Studie bestätigt auch die Theorie, dass Harninkontinenz bei Frauen im Wesentlichen von drei Faktoren begünstigt wird:

Alter:
Ältere Frauen leiden signifikant häufiger an Blasenschwäche als junge Frauen. In der Menopause trocknen auf Grund der reduzierten körpereigenen Hormonproduktion die Schleimhäute aus, die Muskulatur des Beckenbodens ist weniger elastisch. Beckenbodentraining würde hier die Symptome zumindest entscheidend verbessern, denn durch das Training wird die einschlägige Muskulatur gekräftigt, die Muskelfasern sind besser durchblutet und daher flexibler.

Geburten:
Bei einer natürlichen Geburt wird der Beckenbodenmuskel um ein Vielfaches gedehnt, und das meist über Stunden. Das kann im schlimmsten Fall zu Einrissen führen. Damit der Beckenbodenmuskel rasch wieder in Form kommt, wird heutzutage schon bald nach der Geburt eine Rückbildungsgymnastik unter Anleitung eines Physiotherapeuten/einer Physiotherapeutin oder einer Hebamme empfohlen. Dies ist im Wesentlichen Beckenbodentraining, angereichert mit Entspannungs- und Kräftigungsübungen für Becken und Rücken. Diese Rückbildungsgymnastik ist eine der wichtigsten Vorbeugemaßnahmen gegen spätere Inkontinenz und sollte keinesfalls missachtet werden!

Lebensstil:
Aus der Studie geht auch eindeutig hervor, dass Frauen mit einem höheren Body Mass Index (kurz BMI) signifikant öfter unter Inkontinenz leiden. Schuld daran ist sicher unser westlicher Lebensstil mit Bewegungsarmut und Übergewicht. Auch hier könnte man in erster Linie mit mehr Bewegung und Gewichtsreduktion gegensteuern, aber entscheidend ist auch hier, dass Beckenbodenübungen die erste Wahl der Therapien gegen Harninkontinenz ist. Wichtig ist in jedem Fall ein konsequentes Training und etwas Geduld. Die ersten Erfolge sollten sich aber schon nach zwei bis drei Wochen einstellen.

Beckenbodentraining eignet sich natürlich auch sehr gut zur Vorbeugung von Inkontinenz. Ein dreistufiges Trainingsprogramm, wie Sie das Training nach Beherrschen der Übungen ohne Zeitaufwand bequem in Ihren Alltag einbauen können, sowie viele nützliche Hinweise und Tipps finden Sie in meinem eBook „Beckenbodentraining – Inkontinenz vorbeugen – besiegenzum Download um €23 in der überarbeiteten und erweiterten Version.

Viel Erfolg beim Beckenbodentraining gegen Inkontinenz!
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*) WHC-Versorgungsstudie: „Harninkontinenz bei Frauen“, erstellt u.a. von der WHC (Women’s Health Coalition e.V., Berlin) und der Deutschen Kontinenz Gesellschaft.

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